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Montag, Januar 26th, 2009 | Author: Frantic

Geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrier’n
Denn wer nicht mehr versucht zu kämpfen kann nur verlier’n.
Die die dich verarschen, die hast du selbst gewählt
Darum lass sie deine Stimme hörn, weil jede Stimme zählt

Die isländische Regierung ist an den Folgen der Weltwirtschaftskrise zerbrochen. Nachdem gestern Bjorgvin Sigurdsson (isl. Handelsminister) und zuvor der Leiter der Finanzaufsicht zurückgetreten waren, hat nun auch Ministerpräsident Geir Haarde seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er will sein Rücktrittsgesuch bis zum Abend bei Präsident Ólafur Grímsson einreichen.

Geir Haarde sagte nach Krisengesprächen am Montag in Reykjavik, er sei enttäuscht, dass zu Islands wirtschaftlicher nun auch eine politische Krise hinzugekommen sei.

Die am Atlantik gelegene Inselrepublik mit 320 000 Einwohnern hat es durch den Zusammenbruch ihrer 3 grössten Banken besonders hart getroffen.

Massive Proteste sorgten dafür, dass für den 09.05.09 Neuwahlen verkündet wurden.

Zu dem Hintergrund:

Island hat keine Armee, keine Luftwaffe und keine Marine.  Lediglich eine executive Bereitschaftspolizei sorgt für Ordnung, allerdings hat die isländische Regierung vor dem wütenden Mob eine solche Angst, dass sie (nachdem das Auto von Premier Geir Haarde vor den Demonstranten  gerettet wurde), den Neuwahlen zustimmten (normalerweise würd erst 2011 wieder gewählt werden).

Nach Meinungen von Fachleuten, soll Island kein Einzelfall bleiben. Bereits jetzt herrscht  in Ländern wie Lettland, Bulgarien, Spanien und Griechenland Alarmbereitschaft.

Vielleicht ist dies ja nur ein müder Vorgeschmack auf kommende unruhige Zeiten und wenn dann europäische Regierungen wirklich sagen müssen:
“Es wird keine gewohnte Renten- und Krankenversucherungszahlungen und keine Hochschul- oder Ausbildungsangebote mehr geben, da unsere Kassen leer sind”, spätestens dann wird es auch hier für unsere Regierungen kritisch.

2006 prognostizierte der Wirtschaftsprofessor Max Otte in seinem Buch “der Crash kommt” merkwürdige Dinge, wie zum Beispiel:

einen bevorstehenden Banken- und Börsencrash, eine beispiellose Rezession, die Verstaatlichung von Banken, zweistellige Inflationsraten und vor allem – das sich abzeichnende Ende der Sozialstaaten.

Auch im Jahre 2007 wurden seine Thesen noch stark belächelt, während nun Kapitel für Kapitel, alles zur Wahrheit wird.

Die britische Zeitung Times sieht über Europa ein neues unruhiges Zeitalter heraufziehen, ein Zeitalter von Bürgerkriegen und inneren Unruhen. So wie eine 68er-Generation das heutige Bild Europas geprägt habe, so werde in den nächsten Jahren eine 2009er- Generation ein neues Europa prägen – allerdings handele es sich nunmehr um eine Generation, die nicht mehr die geringsten Perspektiven und wahrlich nichts mehr zu verlieren habe. “New age of rebellion and riot stalks Europe” heißt ein entsprechender Bericht der Times.

Mittlerweile gibt es immer mehr Klassenkämpfe in Europa. Wir erinnern uns an die Tage der Jugendgewalt in Paris, oder den Randalen in Griechenland.

Auch als der französische Präsident Nicolas Sarkozy der Normadie einen Besuch abstattete, wurde durch Einsatz von Tränengas eine Demonstration aufgelöst.

In Spanien weicht die Angst vor Terroranschlägen, der Angst vor Arbeitslosigkeit.

In der lettischen Hauptstadt Riga kämpften auch 10.000 Demonstranten, um in das Parlament zu kommen. Brennende Autos, Tränengas und Plünderungen inklusive.

Während die Proteste grösstenteils verschiedene Gründe haben, gibt es eine Gemeinsamkeit: Jugendliche sind deutlich unzufriedener als ältere Menschen und versuchen mit Protesten auf sich aufmerksam zu machen.

Führende Vertreter der EU prognostizieren für die kommenden Jahre schwere Unruhen, wie es sie seit 100 Jahren nicht mehr gegeben hat.

Deshalb hat die EU nun in Brüssel eine “Beobachtungsstelle für innere Unruhen” eingerichtet. Dort sollen die Erkenntnisse der nationalen Geheimdienste über die Unzufriedenheit der Bevölkerung zusammengeführt werden. Das alles hat (noch) keine gesetzliche Grundlage, zeigt aber im Ansatz die Entwicklung eines europäischen Überwachungsapparates.

Die USA hat wohl die effektivste und zugleich unhumanste Möglichkeit geschaffen, gegen zivile Unruhen vorzugehen. Während im Mai 07 Gesetze erlassen wurden, die den Präsidenten zum Diktator machen können, ist seit dem 01.10.08 die 3. Infanterie-Division des 1. Brigade Combat Teams im Inland stationiert. Das Aufgabengebiet umfasst den Einsatz bei zivilen Unruhen, Naturkatastrophen und bei Attentaten mit Massenvernichtungswaffen. Zudem sollen Strukturen geschaffen werden, die zur Verteidigung und Unterstützung der zivilen Behörden dienen.

Am US Army War College werden schon Strategien entwickelt, um Aufstände effektiv bekämpfen zu können. Zusammen mit dem REX 84 Gesetz eine üble Kombination, denn dieses erlaubt es, aus Militärbasen, wie den FEMA CAMPS Gefängnisse wie Guantanamo zu machen und Gefangene als Arbeitssklaven zu missbrauchen. Ausserdem werden so alle Medien  staatlich Beschlagnahmt.

In der Schweiz bereitet sich ebenfalls das Militär auf die Bekämpfung von zivilen Unruhen vor und auch in Deutschland sollte es eine Änderung des Grundgesetzes geben, womit es durch unklare Formulierungen möglich ist, Militär im Inland zu stationieren.

Wie gesehen werden kann, kriegen die Regierungen solangsam Angst, weil sie wissen, was sie falsch gemacht haben und sie wissen, dass wir nicht alles mit uns machen lassen.

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4 Responses

  1. 1
    Timo 

    Sehr interessanter Artikel!

  2. 2
    Unusual 

    Auch in Albanien gibt es schon stärkere Unruhen auf grund der politischen lage

    Während die unruhen in paris schon etwas länger wieder abgeschwollen sind, randalieren jugendliche in athen seit dem 9.januar 09 wieder mehr.
    http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/athen-erneute-unruhen-in-griechenland_aid_360981.html

    Es gibt viele Länder, vorallem 3te Welt Länder, wo ständig Unruhen herrschen, darunter auch zB Kamerun. Über die Drogenbossbewachten Länder und Regionen braucht man da garnicht zu reden.

    der artikel gefällt mir. viel erfolg mit dem blog

  3. 3
    Anonym 

    Getreidemangel: UN warnen vor weltweiten Unruhen
    Dubai – John Holmes, UN-Chef für humanitäre Angelegenheiten, fand warnende Worte für ein ernstes Thema: “Es ist nicht zu unterschätzen, welche Folgen die aktuelle Lebensmittelkrise auch für die Sicherheit der Menschen hat. Aus der ganzen Welt werden bereits Unruhen infolge der Nahrungsknappheit gemeldet”, so Holmes. Um 40 Prozent seien die Preise seit Mitte 2007 gestiegen, erklärte der UN-Koordinator bei einer Konferenz in Dubai.

    Die Ereignisse der vergangenen Wochen bestätigen Holmes’ Warnung: In Haiti versuchte erst am Dienstag eine aufgebrachte Menge, den Präsidentenpalast von Port-au-Prince zu stürmen. Die seit Tagen anhaltenden Hungerproteste haben das Leben in der Hauptstadt lahmgelegt. Die Proteste hatten Anfang April in der südlichen Stadt Les Cayes begonnen. Bisher starben mindestens fünf Menschen. Die Preise für Reis, Bohnen und Obst zogen 2007 um 50 Prozent an. Der Chef der UN-Mission in dem Karibikstaat, Hedi Annabi, warnte, die in Haiti erzielten politischen und wirtschaftlichen Fortschritte seien extrem gefährdet.

    Auch in andere Teilen der Welt kam es zu blutigen Unruhen. Im März starben in Ägypten bei Protesten gegen die Preisexplosion zehn Menschen. Auch in Kamerun, Burkina Faso und im Senegal gab es Tote. In Thailand überwacht die Armee mittlerweile die Ausgabe von Reis und anderen Grundnahrungsmitteln. Die Regierung des weltgrößten Reislieferanten wies die Exporteure mittlerweile an, ihre Ladungen zu verringern, um der Nachfrage im eigenen Land noch nachkommen zu können. Auch Indonesien hat seinen Reis-Export vorläufig eingestellt.

    Die philippinische Regierung hob inzwischen die Importquoten für Reis auf und orderte zusätzliche Lieferungen aus Vietnam. Und in Bangladesch mussten die Behörden 400 000 Tonnen Reis aus Indien zusätzlich importieren, um den Preis zu halten. Schon jetzt muss die Durchschnittsfamilie in dem asiatischen Land 70 Prozent ihres Einkommens für Nahrung ausgeben.

    Auch die Welternährungsorganisation (FAO) warnte gestern vor einer Verschärfung der Krise.
    http://www.welt.de/welt_print/article1886809/Getreidemangel_UN_warnen_vor_weltweiten_Unruhen.html

    auch in Indien gibts Unruhen mit Ausgangssperre:
    http://www.welt.de/politik/article2537085/80-000-Menschen-in-Indien-fluechten-vor-Unruhen.html

  4. 4
    Frantic 

    tjia nun ist der EU Vertrag durch..eine schande!

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