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Samstag, Juni 20th, 2009 | Author: Frantic

2003:  Rosen-Revolution in Georgien

2005:  Zedern-Revolution im Libanon

2008: sezessionistische Unruhen in Tibet

2016: Wagen sie nicht einmal daran zu denken!

Verschwörungstheoretiker und jene, die die Massenmedien der Einfachheit halber als solche bezeichneten, konnten sich über die Wichtigkeit der Pearlbridge Gruppe (Anm.: fiktive Gruppe im Buch, ähnlich den Bilderbergs) nicht einigen.  [..] Einhundert der einflussreichsten Menschen der Welt trafen sich jedes Jahr, um für drei Tage zu konferieren, und die Medien berichteten zuverlässig … nichts!

Excess ist ein fiktiver, aber sehr realitätsnaher Politthriller, der im Jahre 2016 spielt. Der Leser erlebt Verschwörungen, Intrigen und Manipulationen anhand von ausdrucksstarken Charakteren, wie Geheimdienstmitarbeitern, Söldnern, Politikern, Mitarbeiter verschiedener Regierungsorganisationen und Soziologen.
Das Ganze Buch handelt von einer Kleinstadt in den USA, in der Experimente durchgeführt werden. Diese Kleinstadt wird komplett von der Aussenwelt abgeschnitten (Telefon / Internet weg, Strassensperren zur Stadt, kein Flugverkehr) und den Menschen werden Stresssituationen simuliert, um sie so zu manipuliert und zu schauen, wie sie reagieren. Das Experiment endet leider in einem absolutem Disaster, von dem ich nicht mehr erzählen möchte, da es die Spannung rauben würde.

In dem Buch erfährt man sehr detailliert, wie gesellschaftspolitische Experimente geplant werden und der Leser kann sich sehr gut vorstellen, dass ein ähnliches Experiment tatsächlich realisierbar ist.

Mit seinem Buch spricht Mathias Frey ausserdem viele aktuelle Themen an, darunter Verschwörungen, Kriege ( “Vor einigen Jahren sind wir vom Weg abgekommen. Wir haben Kriege geführt, nicht mehr um Despoten zu schlagen und ihre Völker zu befreien, sondern aus unehrenhaften Motiven”), Ausbeutung durch Grossunternehmen (“Wir haben das Prinzip des Gewinnstrebens, ein legitimes Ziel jedes Unternehmers, durch das Prinzip der Gewinnmaximierung ersetzt, was zu einer ungesunden Ausrichtung vieler ehemals gesunder Unternehmen geführt hat.”), Überwachungsmöglichkeiten, Weltregierung (“Die Weltregierung wird nicht unter dem namen Weltregierung entstehen. Der Begriff Weltregierung wäre eine unnötige Erschwernis, ein rotes Tuch, gradezu so, als würde man einen Zoo als Tiergefängnis oder eine Zigarette als Giftstange bezeichnen”), Manipulation (“Zuerst muss die alltägliche Routine zerstört werden, um dann eine Lösung anzubieten, wie sie wiederhergestellt werden kann”), Unfähigkeit der Jounalisten und und und…

Mathias Frey hat sehr genau recherchiert und kann einiges zu den oben genannten Themen erzählen.  Sympathien erntet der Erstlingsautor, durch Aussagen, wie:

“Ich habe mir alle Mühe gegeben, die Medien möglichst unausgewogen darzustellen. Denn: Dieses Jahrhundert wird poliltisch durch 2 grosse Lügen definiert, die Terrorlüge und die Klimakollapslüge. In beiden Fällen haben die Medien als 4. Macht im Staat insgesamt gesehen grandios versagt. Anstatt Gegensteuer zu den modernen Hexenjägern zu geben, haben sich die Medien als servile Erfüllungsgehilfen der einflussreichsten Kreise entpuppt.”

Ausserdem ist das Buch sehr gut zu lesen und äusserst spannend. Ich habe es in 2 Tagen durchgelesen und bin absolut begeistert von dem bisher viel zu unbekannten Buch. Die Leserstimmen sprechen ebenfalls für ihn. Am liebsten würde ich das ganze Buch hier als Zitat einfügen, um euch möglichst viel von der Genialität zu zeigen, mit der Herr Frey an sein Buch herangegangen ist. Absolut empfehlenswert!

Hier könnt ihr die Leseprobe anschauen (PDF).

Hier ist die Webseite zu dem Buch.

Donnerstag, März 19th, 2009 | Author: Frantic

700 Milliarden Euro werden in Deutschland jedes Jahr für Soziales ausgegeben. Trotzdem stehen über eine Millionen Menschen regelmässig Schlange, um kostenlos Brot, Butter und Obst zu bekommen, da sie zu arm sind, sich diese Lebensmittel leisten zu können. Schwerkranke bekommen dringend benötigte Medikamente nicht, weil die Kasse sie nicht bezahlen will. Wie kann das sein? Wieso zahlen wir so viel für unseren Sozialstaat und müssen trotzdem zusehen, wie Kinderarmut wächst und Bildungsarmut ganze Stadtviertel bedroht?

Warum schafft es unsere Regierung trotz 15 Jahre intensivster Reformdebatten nicht, eine wirkungsvolle Sozialpolitik aufzubauen?

Zwischen 1998 und 2005 stieg der Anteil der Armen in der Bevölkerung von 12 auf 18 Prozent. Die Regierung lässt bei jeder Forderung nach Gerechtigkeit, reflexhaft mehr Geld verteilen. Bafög und Kindergeld soll steigen. Wohngeld und Rente werden erhöht. Die SPD möchte die Frühverrentnung fördern, die CDU den Pendlern helfen. In NRW möchte die CDU Rentenzuschläge für Gerungverdiener einführen, ausserdem soll es in Deutschland nach Vorschlag von Umweltminister Sigmar Gabriel Sozialtarife für Strom und Gas geben.

Längst unterhält Deutschland einen der teuersten Sozialstaaten der Welt und trotzdem wächst die Armut im Land. Zur Spaltung zwischen Arm und Reich hat vorallem Langzeitsarbeitslosigkeit, Globalisierung und technischer Fortschritt beigetragen. Allerdings werden zwei der schnellst wachsenden Gruppen unterschätzt: Migranten und Alleinerziehende. Die Zahl der Einkommensschwachen ist von 1998 bis 2008 um 4,1 Millionen gestiegen. Drei Millionen davon haben einen Migrationshintergrund. 820 000 ( 1/5 ) sind Alleinerziehend.

Genau diese beiden Gruppen passen nicht in ein Konzept, welches für männliche Alleinernährer und als Arbeitsversicherung entworfen wurde – unserem Sozialkonzept. Der Sozialstaat ist oft nicht gerecht, weil er für neue Sozialgruppen nicht konzipiert wurde. Natürlich ist er allgegenwärtig, aber er ist nicht überall so wirkungsvoll, wie er sein sollte. Laut Seehofer, dem erfahrensten Sozialpolitiker der Republik, gibt es keinen, der die Verteilungswirkung durchschaue. Ständig würden neue Leistungen erfunden werden, allerdings werde deutlich zu wenig Überholtes abgeschafft. Kritik gibt es also für die planlose Geldverteilung und falscher Prioritätenzuweisung.

Dazu ein paar Beispiele:

  1. Höheres Kindergeld: Das erhöhte Kindergeld (+10 €) wird als familienpolitische Leistung gefeiert, allerdings wird grad arbeitslosen Eltern das Kindergeld sofort wieder abgebucht

  2. Altersteilzeit: Der Staat gibt Milliarden aus, um mit der Altersteilzeit den Vorruhestand zu erleichtern, allerdings nutzen dies vor allem Besserverdienende. Hartz IV Empfängern hingegen wird die Unterstützung gekürzt, wenn sie ins Krankenhaus kommen, da es dort gratis Mahlzeiten gibt.

Die Ursachen werden einfach nicht effektiv bekämpft. Nur wenn weniger Geld für die Starken ausgegeben wird, bleibt mehr für die Schwachen, wobei die Geldverteilung an Bedürftige nicht das Einzige sein kann. Wer gegen die Armut vorgehen will, muss mehr Geld in Bildung stecken. Deutschland führt zwar im internationalen Vergleich bei den Sozialausgaben, allerdings steht die Republik bei den Bildungsausgaben im hinteren Drittel. Es wäre nötig, mehr Geld für die effektive Förderung von Jugendlichen zu investieren, sowie ein Abgabensystem zu schaffen, das Anstrengungen stärker belohnt. Fakt ist, dass das jetzige System oft den falschen hilft.

Die textliche Basis (Der asoziale Sozialstaat) dieses Beitrages ist geschrieben worden von Elisabeth Niejahr und Kolja Rudzio aus „Die Zeit“ vom 26.06.2008.